Was eine gute Kontrolluntersuchung ausmacht
Die meisten Patienten kennen die Kontrolle als kurzen Blick mit dem Spiegel und der Frage “Tut etwas weh?”. Das ist Triage, nicht Diagnostik. Eine vollständige Kontrolle dauert dreissig Minuten und umfasst die systematische Inspektion aller Zähne mit Lupenbrille, das Sondieren der Zahnfleischtaschen, die Beurteilung der Schleimhäute, die Palpation der Lymphknoten und eine Foto-Dokumentation der Frontzahnregion.
Diese Foto-Dokumentation ist entscheidend für den Vergleich über die Jahre. Verfärbungen entwickeln sich langsam, Risse im Schmelz wachsen unbemerkt, Verlagerungen einzelner Zähne fallen nur dem geschulten Auge auf. Wer jede Sitzung fotografiert, erkennt Veränderungen, bevor sie symptomatisch werden.
Karies-Diagnostik jenseits des sichtbaren Lochs
Karies in den Zahnzwischenräumen lässt sich klinisch nicht zuverlässig diagnostizieren. Sie wird mit Bissflügel-Röntgenbildern erkannt, einem strahlungsarmen Standardverfahren, das wir bei stabilen Verhältnissen alle zwei Jahre, bei erhöhtem Risiko jährlich durchführen. Für diese Aufnahmen genügt ein digitaler Sensor, der unmittelbar nach der Aufnahme das Bild auf den Monitor liefert.
Bei sehr frühen Schmelzläsionen arbeiten wir zusätzlich mit transluminaler Lichtquelle (DIAGNOdent oder Diafano-Verfahren), die Karies durch das Eigenlicht des Zahns sichtbar macht. Frühe Läsionen lassen sich häufig ohne Bohrer remineralisieren, mit Fluorid-Lacken und gezielter Mundhygiene-Schulung. Das ist Prävention im engsten Sinn.
Parodontitis-Screening
Bei jeder Kontrolle messen wir die Zahnfleisch-Taschentiefe an sechs Stellen pro Zahn und dokumentieren Blutungspunkte. Diese Daten ergeben den PSI-Index (Parodontaler Screening-Index), eine standardisierte Risiko-Einstufung zwischen 0 und 4. Werte ab 3 weisen auf eine bestehende Parodontitis hin, die einer systematischen Therapie bedarf.
Parodontitis ist nach internationalen Studien die häufigste chronische Erkrankung weltweit, häufig symptomlos in den frühen Stadien. Frühe Erkennung verhindert späteren Zahnverlust und reduziert das Risiko für systemische Folgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder schlecht eingestellten Diabetes.
Was Sie aus der Sitzung mitnehmen
Sie erhalten am Ende der Sitzung einen schriftlichen Befund: was wir gesehen haben, was sich seit der letzten Kontrolle verändert hat, welche Risikofaktoren aktuell sind, und welches Intervall wir bis zur nächsten Sitzung empfehlen.