Wann eine Wurzelbehandlung notwendig wird
Eine Wurzelbehandlung wird notwendig, wenn das Zahnmark (die Pulpa) entzündet oder abgestorben ist. Häufigste Ursache ist eine fortgeschrittene Karies, die das Zahnmark erreicht hat. Andere Ursachen sind Trauma (zum Beispiel nach einem Sturz), wiederholte tiefreichende Restaurationen oder eine bakterielle Infektion über die Wurzelspitze.
Symptome reichen von dauerhaftem pochendem Schmerz über Druckempfindlichkeit beim Zubeissen bis zu Schwellungen am Zahnfleisch. In manchen Fällen ist die Pulpa bereits abgestorben und der Zahn schmerzt nicht mehr. Diese stillen Verläufe sind nicht harmlos: die Bakterien wandern über die Wurzelspitze in den Knochen und können dort Granulome oder Abszesse verursachen.
Was wir konkret tun
Nach der lokalen Anästhesie legen wir Kofferdam an. Dieser Gummischutz isoliert den Zahn vom Speichel und verhindert, dass Bakterien während der Behandlung in den Wurzelkanal gelangen. Ohne Kofferdam ist eine erfolgreiche Wurzelbehandlung medizinisch nicht zuverlässig durchführbar.
Anschliessend bereiten wir den Wurzelkanal mit rotierenden Nickel-Titan-Instrumenten maschinell auf. Diese Instrumente sind flexibler als manuelle Feilen und erreichen auch gekrümmte Kanalanatomien zuverlässig. Begleitend spülen wir mit Natriumhypochlorit und EDTA, um Bakterien und organisches Gewebe vollständig zu entfernen.
Nach der Aufbereitung verschliessen wir den Kanal bakteriendicht mit thermoplastischer Guttapercha. Der Zahn wird im Anschluss definitiv versorgt, je nach Restzahnsubstanz mit einer Komposit-Aufbaufüllung, einem Stiftaufbau oder einer Krone. Diese definitive Versorgung ist medizinisch zwingend: Ein wurzelbehandelter Zahn ohne stabile Restauration frakturiert innerhalb weniger Monate bis Jahre.
Wenn die erste Wurzelbehandlung fehlschlägt
In etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle entwickelt sich Jahre nach einer Wurzelbehandlung eine erneute Entzündung. Häufigste Ursache: ein anatomisch komplexer Kanal, der bei der ersten Behandlung nicht vollständig erfasst wurde, oder ein nachträgliches Eindringen von Bakterien durch eine undichte Restauration.
In diesen Fällen ist eine Revisionsbehandlung möglich: Entfernung des bestehenden Wurzelfüllmaterials, erneute Aufbereitung mit dem Mikroskop, neuer Verschluss. Bei komplexen Revisionen arbeiten wir mit einem Endodontologen aus dem Resident-Netzwerk.
Falls eine Revision nicht erfolgversprechend ist, bleibt die Wurzelspitzenresektion als chirurgische Alternative oder die Extraktion mit anschliessender Implantatversorgung. Die Entscheidung treffen wir nicht allein, sondern gemeinsam mit Ihnen.