Ratgeber · Implantologie

All-on-4 oder mehrere Einzelimplantate. Welche Vollversorgung wann sinnvoll ist.

All-on-4 nutzt vier strategisch positionierte Implantate, um eine festsitzende Brücke für einen ganzen Kiefer zu tragen. Einzelimplantate ersetzen jeden fehlenden Zahn separat oder in kleinen Brücken. All-on-4 ist effizient, kostengünstiger und in einer Sitzung umsetzbar. Einzelimplantate sind biologisch näher am natürlichen Gebiss und im Reparaturfall flexibler. Die Wahl hängt von Knochensituation, Anzahl Zähne und Budget ab.

Das Wichtigste

All-on-4 trägt einen ganzen Kiefer auf vier Implantaten, ist effizient, meist ohne Knochenaufbau und oft am selben Tag mit festsitzenden Zähnen versorgt. Mehrere Einzelimplantate sind biologisch näher am natürlichen Gebiss und im Reparaturfall flexibler. Die richtige Wahl hängt von Knochensituation, Bisskraft, Behandlungswunsch und Budget ab.

Verfasst von Dr. Markus Franke 2. April 2026 11 Min Lesezeit

Eine Vollversorgung, zwei Konzepte

Wenn ein Kiefer komplett oder fast komplett zahnlos ist, gibt es mehrere Wege zur festsitzenden Versorgung mit Implantaten. Die zwei verbreitetsten Konzepte sind All-on-4 und mehrere Einzelimplantate (häufig sechs bis acht), die einzelne Kronen oder kleinere Brücken tragen.

Beide Konzepte sind klinisch etabliert. All-on-4 ist effizient und kostengünstiger, mit einer schnellen Behandlung. Einzelimplantate sind biologisch näher am natürlichen Gebiss und langfristig flexibler. Dieser Artikel erklärt die Konzepte, ihre Indikationen und wie Resident die Entscheidung trifft.

Was All-on-4 ist

Beim All-on-4-Konzept werden vier Implantate strategisch in den Kiefer gesetzt, häufig im Frontbereich vertikal und im Seitenbereich anguliert (geneigt). Auf diesen vier Implantaten sitzt eine zwölf- bis vierzehngliedrige festsitzende Brücke, die den ganzen Kiefer versorgt.

Die wichtigsten Eigenschaften:

  • Sofortbelastung möglich: in vielen Fällen kann am Operationstag eine provisorische Brücke gesetzt werden. Patientin oder Patient verlässt die Praxis mit festsitzenden Zähnen.
  • Kein Knochenaufbau in den meisten Fällen: durch die schräge Stellung der hinteren Implantate wird vorhandener Knochen genutzt, ohne aufwändigen Sinuslift im Oberkiefer.
  • Eine Operation, ein Tag: alle vier Implantate werden in einer Sitzung gesetzt.
  • Definitive Brücke nach drei bis vier Monaten Einheilung.

Eine Variante ist All-on-6, mit sechs statt vier Implantaten. Sie wird gewählt bei Patientinnen und Patienten mit starker Bisskraft, mit Gegenkiefer-Bezahnung oder bei besonders langen Versorgungs-Spannweiten.

Was Einzelimplantate (sechs bis acht) sind

Beim klassischen Konzept werden sechs bis acht Implantate gesetzt, die entweder Einzelkronen oder kleinere Brücken (zwei- oder dreigliedrig) tragen. Die Versorgung kommt der natürlichen Zahnanordnung näher.

Eigenschaften:

  • Mehrere Implantate, mehrere Operationen oder eine längere Einzeloperation.
  • Häufig Knochenaufbau erforderlich, vor allem im Seitenbereich des Oberkiefers (Sinuslift).
  • Verlängerte Behandlungsdauer: Knochenaufbau plus Implantation plus Einheilung plus prothetische Versorgung dauern in Summe sechs bis zwölf Monate.
  • Definitive Versorgung in mehreren Schritten mit Einzelkronen oder kurzen Brücken.

Vergleich nach Kriterien

Behandlungsdauer

All-on-4: Operationstag plus drei bis vier Monate Einheilung. Definitive Brücke nach 4 bis 6 Monaten ab Behandlungsbeginn.

Einzelimplantate: häufig 8 bis 12 Monate von Beginn (Knochenaufbau) bis definitiver Versorgung. Ohne Knochenaufbau 4 bis 6 Monate, vergleichbar mit All-on-4.

Anzahl Operationen

All-on-4: in der Regel eine grosse Operation pro Kiefer, in der alle vier Implantate gesetzt werden.

Einzelimplantate: häufig zwei oder mehr Operationen, weil Knochenaufbau und Implantation zeitlich getrennt durchgeführt werden.

Knochenaufbau-Bedarf

All-on-4: in den meisten Fällen kein Knochenaufbau, weil die schräge Stellung vorhandenen Knochen optimal nutzt.

Einzelimplantate: häufig Knochenaufbau im Seitenbereich Oberkiefer (Sinuslift) und gelegentlich vertikale Augmentation. Mehr zur Implantat-Logik im Artikel Sofortimplantat oder Spätimplantat.

Komfort am Operationstag

All-on-4 mit Sofortbelastung: Patientin oder Patient verlässt die Praxis mit provisorischen festsitzenden Zähnen. Funktional und ästhetisch sofort versorgt.

Einzelimplantate: häufig in mehreren Phasen mit zwischenzeitlich getragener Übergangs-Prothese, weil die Versorgung erst nach Einheilung erfolgt.

Kosten

Konkrete Beträge variieren stark je nach Implantat-System und Materialien. Mehr zu Bandbreiten im Artikel zu den Kosten eines Implantats.

Grobe Tendenz:

  • All-on-4 pro Kiefer: einmaliger hoher Initial-Aufwand, aber relativ definierte Kosten.
  • Einzelimplantate (sechs bis acht plus prothetische Versorgung mit Knochenaufbau): in Summe häufig 30 bis 60 Prozent teurer als All-on-4.

Der grösste Kosten-Treiber bei Einzelimplantaten ist der Knochenaufbau mit Sinuslift und allenfalls Augmentation.

Lebensdauer und Wartung

Beide Konzepte haben in Studien hohe Implantat-Verbleibraten von über 95 Prozent über zehn Jahre.

Die Brücken-Versorgung beim All-on-4 hält 10 bis 20 Jahre. Einzelne Komponenten (Provisorium, Verblendung) können in dieser Zeit Verschleiss haben.

Einzelkronen halten ähnlich lange. Wenn eine einzelne Krone Probleme macht, kann sie isoliert ersetzt werden, ohne die ganze Versorgung anzutasten.

Reparaturfreundlichkeit

All-on-4: bei Defekt der Brücke ist häufig ein grösserer Eingriff nötig (Brücke öffnen, abbeissen, neu zementieren). Bei Verlust eines der vier Implantate ist das ganze System betroffen, weil ein Pfeiler von vier fehlt.

Einzelimplantate: Defekte werden lokal repariert. Ein Implantatverlust betrifft nur den entsprechenden Bereich. Das System ist robuster gegen lokale Probleme.

Mundhygiene

All-on-4: die durchgehende Brücke erschwert die Reinigung, weil keine direkte Plaque-Entfernung zwischen den Pfeilern möglich ist. Spezielle Reinigungsmittel (Superfloss, Wasserfäden, Interdentalbürsten) sind Pflicht.

Einzelimplantate: Pflege wie bei natürlichen Zähnen plus Implantat-spezifische Hygiene. Direkte Reinigung zwischen den Implantaten möglich.

Mehr zur Implantat-Pflege und zur Vermeidung von Periimplantitis im Artikel zur Periimplantitis.

Knochenerhalt

Beide Konzepte stimulieren den Knochen durch die implantierten Wurzeln und verhindern den Knochenschwund, der bei klassischen Vollprothesen auftritt.

Einzelimplantate verteilen die Last gleichmässiger über den Kiefer. All-on-4 konzentriert die Last auf vier Punkte mit einer Brückenkonstruktion, die die Last auf die Implantate transferiert.

Welche Lösung für welche Konstellation

Patientin oder Patient mit zahnlosem Kiefer und gut erhaltenem Knochen

Empfehlung: beide Konzepte sind möglich. All-on-4 ist die effizientere Lösung. Einzelimplantate sind die biologisch nähere Lösung. Die Wahl hängt von Budget, Behandlungswunsch und persönlicher Präferenz ab.

Patientin oder Patient mit zahnlosem Kiefer und stark zurückgegangenem Knochen

Empfehlung: All-on-4 ist häufig die einzige Lösung ohne aufwändigen Knochenaufbau. Einzelimplantate würden umfangreiche Augmentation erfordern, was die Behandlungsdauer und Kosten erheblich verlängert.

Patientin oder Patient mit Wunsch nach schneller Versorgung

Empfehlung: All-on-4 mit Sofortbelastung. Eine sofort festsitzende Versorgung am Operationstag ist mit Einzelimplantaten in der Regel nicht möglich.

Patientin oder Patient mit hoher Bisskraft oder Bruxismus

Empfehlung: All-on-6 oder Einzelimplantate. Vier Implantate sind bei sehr starker Belastung manchmal überlastet. Eine zusätzliche Implantat-Anzahl verteilt die Last.

Patientin oder Patient mit Wunsch nach maximaler langfristiger Flexibilität

Empfehlung: Einzelimplantate. Lokale Reparaturen sind einfacher. Bei Verlust eines einzelnen Implantats ist das System robuster.

Patientin oder Patient mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Osteoporose

Empfehlung: sorgfältige Indikationsstellung. All-on-4 hat den Vorteil weniger Operationen. Einzelimplantate erlauben gestaffeltes Vorgehen mit Heilungsbeurteilung zwischen den Phasen.

Patientin oder Patient mit knappem Budget

Empfehlung: All-on-4 oder hybridprothetische Lösung. Bei sehr engem Budget ist eine implantatgetragene Hybridprothese (zwei Implantate plus herausnehmbare Prothese mit Druckknopf-Verbindung) die kostengünstigste implantatgestützte Lösung. Mehr im Artikel Implantat oder Brücke.

Risiken und Komplikationen

Beide Konzepte sind in geübten Händen sicher. Die häufigsten Komplikationen:

Akute Komplikationen

  • Wundheilungsstörung: selten, behandelbar mit Antibiotika und lokaler Pflege.
  • Sensibilitätsstörung: sehr selten, bei Kontakt zu Nervenkanal im Unterkiefer. 3D-Planung minimiert das Risiko.
  • Sinusperforation im Oberkiefer: bei All-on-4 durch die schräge Implantat-Stellung weitgehend vermieden, bei Einzelimplantaten ohne Knochenaufbau möglich.

Späte Komplikationen

  • Periimplantitis: Entzündung mit Knochenabbau, vermeidbar durch konsequente Pflege.
  • Implantatverlust: sehr selten in den ersten Jahren, häufiger nach 10 bis 15 Jahren.
  • Brückenfraktur (bei All-on-4): möglich bei extremer Belastung, reparierbar oder austauschbar.
  • Verblendverlust: kann an Einzelkronen oder All-on-4-Brücken auftreten, in der Praxis behebbar.

Wie Resident die Entscheidung trifft

  1. Erstgespräch und klinische Untersuchung mit Mundbefund, Anamnese und Patientenwunsch.
  2. 3D-Aufnahme (DVT) zur exakten Beurteilung von Knochenangebot, Sinusverhältnissen und Nachbarstrukturen.
  3. Indikationsstellung für beide Konzepte mit detailliertem Vor- und Nachteils-Profil.
  4. Schriftlicher Behandlungsplan mit Kostenvoranschlag, Zeitplan und Komplikations-Aufklärung.
  5. Behandlungsentscheidung gemeinsam mit Patientin oder Patient.
  6. Operation und Versorgung durch Dr. Dejan Dragisic, Facharzt für Oralchirurgie, an unserem Standort Bellevue oder Winterthur.
  7. Nachsorge: halbjährliche Dentalhygiene-Sitzungen mit Implantat-Inspektion, jährliche Röntgenkontrolle der periimplantären Knochenverhältnisse.

All-on-4 und Einzelimplantat-Versorgungen sind Spezialeingriffe, die wir an unseren Standorten Bellevue und Winterthur durch ausgebildete Oralchirurginnen und -chirurgen durchführen. Mehr zur Behandlungs-Logik im Artikel Sofortimplantat oder Spätimplantat.

Vereinbaren Sie einen Termin für ein Erstgespräch. Wir nehmen uns Zeit für die ausführliche Befundung und besprechen die Optionen ohne Verkaufsdruck.

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Was ist günstiger, All-on-4 oder mehrere Einzelimplantate?

In der Tendenz ist All-on-4 die kostengünstigere Vollversorgung, weil nur vier Implantate gesetzt werden und in den meisten Fällen kein aufwändiger Knochenaufbau nötig ist. Sechs bis acht Einzelimplantate mit Knochenaufbau und einzelner prothetischer Versorgung sind in Summe oft 30 bis 60 Prozent teurer. Konkrete Beträge nennen wir nicht pauschal, weil sie vom Implantat-System und vom Aufwand abhängen. Sie erhalten vor jeder Behandlung einen schriftlichen Kostenvoranschlag.

Bekomme ich bei All-on-4 wirklich am selben Tag feste Zähne?

In vielen Fällen ja. Wenn die Implantate ausreichend fest im Knochen sitzen, kann am Operationstag eine provisorische festsitzende Brücke gesetzt werden. Sie verlassen die Praxis dann mit festsitzenden Zähnen. Die definitive Brücke folgt nach drei bis vier Monaten Einheilung. Ob eine Sofortbelastung möglich ist, entscheidet sich anhand der Stabilität während der Operation.

Brauche ich für eine Vollversorgung einen Knochenaufbau?

Beim All-on-4 in den meisten Fällen nicht, weil die hinteren Implantate schräg gestellt werden und so vorhandenen Knochen nutzen. Bei mehreren Einzelimplantaten ist im Seitenbereich des Oberkiefers häufiger ein Knochenaufbau oder Sinuslift nötig. Wie viel Knochen vorhanden ist, beurteilen wir mit einer 3D-Aufnahme vor der Behandlung.

Was passiert, wenn bei All-on-4 ein Implantat verloren geht?

Weil die Brücke auf nur vier Implantaten ruht, betrifft der Verlust eines Pfeilers das ganze System und erfordert in der Regel einen grösseren Eingriff. Bei Einzelimplantaten ist nur der betroffene Bereich betroffen und lässt sich lokal reparieren. Implantatverluste sind in den ersten Jahren sehr selten. Bei hoher Bisskraft empfehlen wir statt vier oft sechs Implantate, um die Last besser zu verteilen.

Wie lange hält eine All-on-4-Versorgung?

Die Implantate haben in Studien Verbleibraten von über 95 Prozent über zehn Jahre. Die getragene Brücke hält je nach Belastung und Pflege etwa 10 bis 20 Jahre. Einzelne Teile wie Verblendungen können in dieser Zeit Verschleiss zeigen und sind reparierbar. Entscheidend für die Lebensdauer sind konsequente Mundhygiene und die halbjährliche Nachsorge mit Implantat-Kontrolle.

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