Was eine digitale Abformung ist
Eine Abformung ist die exakte Kopie der Zähne, auf deren Grundlage eine Restauration entsteht. Beim klassischen Verfahren füllen wir einen Löffel mit Abdruckmasse und drücken ihn auf die Zahnreihe. Die Masse härtet aus, und es entsteht ein Negativ, aus dem im Labor ein Gipsmodell gegossen wird.
Bei der digitalen Abformung ersetzt ein Intraoralscanner diesen Schritt. Eine kleine Kamera fährt über die Zähne und setzt viele Einzelbilder zu einem dreidimensionalen Modell auf dem Bildschirm zusammen. Es braucht keine Paste und keinen Löffel im Mund.
Digitaler Scan statt Abdruck mit Paste
Im direkten Vergleich hat der Scan mehrere Vorteile:
- Angenehmer. Kein voller Löffel, kein Druckgefühl, kein wartendes Aushärten der Masse.
- Kein Würgereiz. Bei empfindlichen Patientinnen und Patienten war der klassische Abdruck oft der unangenehmste Teil. Die Kamera umgeht dieses Problem weitgehend.
- Präzise. Der Scan erfasst feine Strukturen zuverlässig, und es entsteht kein Verzug durch eine aushärtende Masse.
- Wiederholbar. Stimmt ein Bereich nicht, scannen wir nur diese Stelle nach, statt den ganzen Abdruck zu wiederholen.
Der Scan ist die Grundlage für die digitale Fertigung. Hier kommen CAD/CAM und CEREC ins Spiel.
Was CAD/CAM und CEREC sind
CAD/CAM steht für computergestütztes Gestalten (CAD) und computergestütztes Fertigen (CAM). Auf Basis des Scans gestalten wir die Restauration am Bildschirm und übergeben den Datensatz an eine Schleifeinheit, die sie aus einem Keramikblock herausfräst.
CEREC ist ein in Praxen verbreitetes CAD/CAM-System, das genau diesen Ablauf abbildet: scannen, gestalten, fräsen. Der entscheidende Punkt ist, dass diese Schritte in der Praxis stattfinden. Dadurch lässt sich eine Keramikrestauration unter den richtigen Voraussetzungen in einer einzigen Sitzung herstellen.
Restaurationen aus einer Sitzung
Mit diesem Verfahren lassen sich verschiedene Restaurationen am selben Termin anfertigen:
- Inlay. Eine Füllung, die in den Zahn eingepasst wird, wenn der Defekt zu gross für eine direkte Füllung ist.
- Onlay und Teilkrone. Eine Restauration, die zusätzlich einen oder mehrere Höcker des Zahns überdeckt.
- Krone. Eine vollständige Überkronung des einzelnen Zahns.
Worin sich Inlay und Krone unterscheiden und wann welche Lösung passt, lesen Sie im Beitrag Inlay oder Krone. Welche Restauration für Ihre Situation infrage kommt, klären wir bei der Untersuchung.
Der Ablauf Schritt für Schritt
Der digitale Weg folgt vier klaren Schritten:
- Scannen. Nach dem Vorbereiten des Zahns nehmen wir mit dem Intraoralscanner ein dreidimensionales Modell auf.
- Gestalten. Am Bildschirm konstruieren wir die Restauration passend zur Zahnform, zum Biss und zu den Nachbarzähnen.
- Fräsen. Die Schleifeinheit fräst die Restauration aus einem Keramikblock in der gewählten Farbe.
- Einsetzen. Wir passen sie ein, kontrollieren den Biss und kleben sie dauerhaft mit der Zahnsubstanz fest (adhäsives Einsetzen).
Für die Patientin oder den Patienten bedeutet das in der Regel: ein Termin statt zwei, kein Provisorium über mehrere Tage und keine zweite Anästhesie.
Wann eine Sitzung gut funktioniert
Das Verfahren spielt seine Stärken bei einzelnen, klar umrissenen Defekten aus. Gut geeignet ist es für:
- einzelne Inlays, Onlays und Teilkronen,
- einzelne Kronen im Seitenzahnbereich,
- Situationen, in denen ein zweiter Termin oder ein Provisorium unpraktisch wäre.
Hier sind Material und Ablauf aufeinander abgestimmt, und das Ergebnis lässt sich am selben Tag fertigstellen.
Wann ein Zahnlabor der bessere Weg bleibt
Nicht jede Versorgung gehört in eine einzige Sitzung. In diesen Fällen arbeiten wir mit einem Zahnlabor zusammen:
- Komplexe Ästhetik. Bei sichtbaren Frontzähnen mit feinen Farbverläufen und Lichteffekten erzielt ein Zahntechniker von Hand oft ein natürlicheres Ergebnis. Das gilt besonders für Veneers.
- Brücken. Mehrgliedriger Zahnersatz, der eine Lücke überbrückt, verlangt häufig den Weg über das Labor. Einen Überblick gibt unsere Seite zum Zahnersatz.
- Bestimmte Materialien. Nicht jedes Material lässt sich in der Praxis fräsen. Wo Zirkon oder geschichtete Keramik gefragt ist, fertigt das Labor. Die Unterschiede erklären wir im Beitrag Vollkeramik oder Zirkon.
Auch der Laborweg beginnt heute oft mit einem digitalen Scan. Wir wählen das Verfahren nach dem, was Ihr Ergebnis am besten trägt, nicht nach dem schnellsten Weg.
Material, Nutzen und Grenzen
Gefräst wird aus einem Keramikblock. Keramik ist gut verträglich, zahnfarben und über viele Jahre stabil. Der Nutzen des digitalen Wegs liegt im Komfort des Scans, im Wegfall des Provisoriums und im fertigen Ergebnis am selben Tag.
Die Grenzen liegen in der Indikation: bei Brücken, anspruchsvoller Ästhetik und bestimmten Materialien ist das Labor überlegen. Eine sorgfältige Vorbereitung des Zahns und ein sauberes Einsetzen bleiben in beiden Fällen entscheidend für die Haltbarkeit.
Pflege und Kontrolle
Eine Keramikrestauration pflegen Sie wie die eigenen Zähne: gründliches Putzen, tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume und regelmässige Kontrollen. Die Übergänge zwischen Zahn und Keramik prüfen wir bei diesen Terminen mit. So bleibt die Versorgung lange dicht und funktionstüchtig.
Kosten und nächster Schritt
Die Kosten richten sich nach dem Aufwand und folgen dem SSO-Tarif. Vor der Behandlung erhalten Sie einen schriftlichen Kostenvoranschlag, damit Sie eine klare Grundlage für Ihre Entscheidung haben. Wenn Sie wissen möchten, ob eine Versorgung aus einer Sitzung für Sie infrage kommt, vereinbaren Sie einen Termin. Wir schauen uns die Situation an und besprechen den passenden Weg.