Was Karies ist
Karies, im Alltag oft schlicht das Loch im Zahn genannt, ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt. Sie entsteht nicht von einem Tag auf den anderen, sondern schleichend über Wochen und Monate. Im Kern ist Karies ein Mineralverlust: Die harte Zahnsubstanz wird nach und nach aufgelöst.
Verantwortlich dafür sind Bakterien im Zahnbelag (Plaque). Diese Bakterien verstoffwechseln Zucker und andere Kohlenhydrate aus der Nahrung und bilden dabei Säuren. Die Säuren lösen Mineralien aus dem Zahnschmelz, man spricht von Demineralisation. Solange Speichel und Fluorid den Schmelz zwischendurch wieder härten, hält sich das im Gleichgewicht. Kippt dieses Gleichgewicht, etwa durch häufigen Zuckerkonsum oder lückenhafte Pflege, überwiegt der Mineralverlust und Karies entsteht.
Die Stadien der Karies
Karies entwickelt sich in nachvollziehbaren Stufen. Je früher sie erkannt wird, desto kleiner ist der nötige Eingriff:
- Initialkaries (weisser Fleck). Der Schmelz ist oberflächlich entkalkt und zeigt sich als matter, weisser Fleck. Die Oberfläche ist noch intakt. In diesem Stadium ist die Karies oft noch umkehrbar.
- Schmelzkaries. Die Entkalkung schreitet fort, die Oberfläche bricht ein und es bildet sich ein kleines Loch im Schmelz. Spätestens jetzt ist eine Behandlung nötig.
- Dentinkaries. Die Karies erreicht das weichere Zahnbein (Dentin) unter dem Schmelz und breitet sich dort schneller aus. Häufig entsteht jetzt eine Empfindlichkeit auf Süsses, Kaltes oder Warmes.
- Pulpabeteiligung. Erreicht die Karies das Zahnmark (die Pulpa mit Nerv und Gefässen), kann es zu anhaltenden, oft pochenden Schmerzen kommen. Hier ist meist eine Wurzelbehandlung nötig.
Wie wir Karies erkennen
Tückisch ist, dass Karies früh meist keine Schmerzen verursacht. Erste Stadien bemerken Betroffene selten selbst. Genau deshalb wird Karies am häufigsten bei der regelmässigen Kontrolle entdeckt, bevor sie Beschwerden macht.
Zur Diagnose gehören:
- Die Sichtkontrolle von Verfärbungen, weissen Flecken und eingebrochenen Stellen.
- Das Röntgenbild, das Karies in den Zahnzwischenräumen und unter dem Zahnschmelz sichtbar macht, wo das Auge sie nicht sieht.
- Moderne Hilfsmittel wie Laserfluoreszenz-Messgeräte, die beginnende Karies an schwer einsehbaren Stellen aufspüren können.
So lässt sich eine Karies oft erkennen, solange der Eingriff noch klein bleibt.
Wie wir behandeln, je nach Stadium
Die Behandlung richtet sich danach, wie weit die Karies fortgeschritten ist:
- Frühe Läsion (weisser Fleck). Hier behandeln wir ohne Bohrer. Im Vordergrund stehen Fluorid zur Remineralisation, eine verbesserte häusliche Pflege und der bewusste Umgang mit Zucker. Eine begleitende Dentalhygiene entfernt die Beläge, unter denen die Karies entsteht.
- Echtes Loch (Kavität). Ist die Oberfläche eingebrochen, entfernen wir die kariöse Substanz und versorgen den Zahn mit einer zahnfarbenen Composite-Füllung, die direkt im Mund eingebracht und ausgehärtet wird.
- Grösserer Defekt. Ist zu viel Zahnsubstanz verloren, hält eine direkte Füllung nicht mehr zuverlässig. Dann kommt ein im Labor gefertigtes Inlay oder eine Krone infrage. Wie sich die Versorgungen unterscheiden, lesen Sie im Vergleich von Composite und Inlay.
- Karies bis in die Pulpa. Ist der Nerv betroffen oder bereits entzündet, lässt sich der Zahn häufig mit einer Wurzelbehandlung erhalten.
- Nicht mehr erhaltbarer Zahn. Ist der Zahn zu stark zerstört, bleibt als letzter Schritt das Entfernen (die Extraktion). Den Lückenschluss besprechen wir dann separat.
Was Sie bei einer Füllung erwartet
Bei einer Füllung betäuben wir den Zahn bei Bedarf örtlich, damit die Behandlung nicht schmerzhaft ist. Anschliessend entfernen wir die kariöse Substanz und reinigen die Stelle. Der Zahn wird trockengelegt, das Composite in Schichten eingebracht, mit Licht ausgehärtet und zum Schluss so eingeschliffen und poliert, dass es sich beim Zubeissen natürlich anfühlt. Eine kleine Füllung ist oft in einer Sitzung erledigt.
Nach der Behandlung kann der Zahn für einige Tage empfindlich auf Kalt oder Warm reagieren, vor allem bei tieferen Füllungen. Das legt sich in der Regel von selbst. Solange die Betäubung wirkt, sollten Sie mit dem Essen warten, bis das Gefühl zurück ist. Bleibt der Zahn länger empfindlich oder verändert sich der Biss spürbar, melden Sie sich bei uns.
Vorbeugen ist der beste Schutz
Karies lässt sich in den meisten Fällen wirksam vorbeugen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus täglicher Pflege und regelmässiger Kontrolle:
- Zweimal täglich putzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta. Fluorid härtet den Schmelz und macht ihn widerstandsfähiger gegen Säure.
- Tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume mit Interdentalbürsten oder Zahnseide, denn dort entsteht Karies besonders häufig.
- Bewusster Umgang mit Zucker, vor allem mit der Häufigkeit. Nicht die Menge allein, sondern wie oft am Tag die Zähne mit Zucker und Säure in Kontakt kommen, ist entscheidend.
- Regelmässige Dentalhygiene, die Beläge und Zahnstein dort entfernt, wo die Zahnbürste nicht hinkommt.
- Regelmässige Kontrollen im Rahmen der Prophylaxe, damit Karies früh und mit kleinem Aufwand behandelt werden kann.
Karies bei Kindern
Auch Milchzähne bekommen Karies, und sie ist hier ernst zu nehmen. Milchzähne halten den Platz für die bleibenden Zähne, sind für Kauen und Sprechen wichtig und können bei tiefer Karies schmerzen. Eine unbehandelte Karies am Milchzahn kann zudem den darunter heranwachsenden bleibenden Zahn beeinträchtigen. Deshalb gilt der Grundsatz: Milchzähne sind wichtig und werden bei Karies ebenso behandelt wie bleibende Zähne.
Was kostet eine Kariesbehandlung
Die Kosten richten sich nach Aufwand und Versorgungsart und werden in der Schweiz nach dem SSO-Tarif berechnet. Vor einer grösseren Behandlung erhalten Sie von uns einen schriftlichen Kostenvoranschlag, damit Sie Planungssicherheit haben. Zu beachten ist, dass die Grundversicherung Kariesbehandlungen in der Regel nicht deckt. Wenn Sie unsicher sind, vereinbaren Sie einen Termin. Wir schauen uns Ihre Zähne an und besprechen die passenden Schritte mit Ihnen.