Ratgeber · Versicherung

Der schriftliche Kostenvoranschlag. Was drinsteht und wofür er gut ist.

Ein Kostenvoranschlag ist ein schriftlicher Behandlungsplan mit detaillierter Auflistung aller geplanten Leistungen, Materialien und Tarifpositionen. Resident erstellt ihn vor jeder grösseren Behandlung. Sie können ihn bei Ihrer Versicherung einreichen oder als Entscheidungsgrundlage nutzen.

Das Wichtigste

Der schriftliche Kostenvoranschlag (KVA) listet vor Behandlungsbeginn alle geplanten Leistungen mit den Positionen aus dem Schweizer Zahnärztetarif SSO sowie Material- und Laborkosten auf. Er dient Ihnen als transparente Entscheidungsgrundlage und ist das Dokument, das Sie bei Ihrer Krankenkasse oder Zusatzversicherung einreichen. Resident erstellt ihn vor jeder grösseren Behandlung.

Verfasst von Dr. Fredrik Nord 1. September 2025 5 Min Lesezeit

Was ein Kostenvoranschlag ist

Ein zahnärztlicher Kostenvoranschlag, kurz KVA, ist ein schriftliches Dokument, das vor Behandlungsbeginn erstellt wird. Er listet alle geplanten Leistungen mit den dazugehörigen Positionen aus dem Schweizer Zahnärztetarif SSO auf. Materialien und Laborkosten sind separat ausgewiesen. Das Total am Ende ist die kalkulierte Behandlungssumme.

Der KVA hat zwei Funktionen: Erstens ist er für Sie eine transparente Entscheidungsgrundlage. Sie sehen, was die Behandlung in welcher Konstellation kostet, bevor Sie zustimmen. Zweitens ist er das Dokument, das Sie bei Ihrer Krankenkasse oder Zusatzversicherung einreichen, um die Kostenübernahme zu prüfen.

Was im Kostenvoranschlag drinsteht

Ein vollständiger KVA enthält folgende Elemente:

Diagnose. Was wurde befundet und welche Behandlung leitet sich daraus ab.

Tarifpositionen. Jede einzelne Leistung ist mit einer Position aus dem SSO-Tarif aufgeführt. Beispielsweise “4060 Wurzelkanalaufbereitung pro Kanal” oder “4910 Implantatchirurgie einfach”. Pro Position ist die Anzahl Taxpunkte angegeben.

Taxpunktwert. Der Geldbetrag pro Taxpunkt ist in der Schweiz nicht fix, sondern je nach Versicherungsstatus unterschiedlich. Für Selbstzahler liegt der Taxpunktwert typischerweise bei einem Franken, kann aber abweichen. Privat versicherte oder bestimmte Tarife haben höhere Werte.

Materialkosten. Implantatschrauben, Kronenmaterial, Membranen für Knochenaufbau und ähnliche Materialien sind separat aufgeführt.

Laborkosten. Kronen, Brücken und Prothesen werden vom externen Labor gefertigt. Die Laborkosten kommen zur zahnärztlichen Leistung hinzu.

Sedierung oder Anästhesie. Falls notwendig oder gewünscht, ist die Sedierungsleistung ausgewiesen.

Total und Zwischenrechnung. Manche Behandlungen werden in mehreren Sitzungen abgerechnet. Der KVA zeigt das Total über alle Sitzungen plus die Beträge pro Phase.

Wann ein Kostenvoranschlag erstellt wird

Schweizerisches Konsumentenrecht und die Berufsethik der SSO sehen einen schriftlichen Kostenvoranschlag bei grösseren Behandlungen vor. Die genaue Schwelle ist nicht gesetzlich fix, sondern Praxis-Standard. Die meisten Praxen, einschliesslich Resident, erstellen einen KVA bei Behandlungen ab etwa 500 bis 1000 Franken Gesamtkosten.

Bei kleineren Behandlungen wie einer einzelnen Füllung, einer Routine-Kontrolle oder einer Dentalhygiene-Sitzung wird der Beleg in der Regel direkt nach der Behandlung erstellt. Sie zahlen vor Ort oder erhalten die Rechnung per Post.

Bei aufwendigen Behandlungen wie Implantaten, mehrteiliger Prothetik, kieferorthopädischen Therapien oder Wurzelbehandlungen ist der KVA Pflicht und wird vor Behandlungsbeginn besprochen.

Wie Sie den Kostenvoranschlag bei der Krankenkasse einreichen

  1. KVA in Kopie behalten. Resident schickt Ihnen den KVA digital oder per Post. Original behalten Sie.

  2. Begründungsschreiben prüfen. Wenn die Behandlung möglicherweise unter eine der KVG-Kategorien fällt (Folge einer Allgemeinerkrankung, Unfall, schwere Erkrankung des Kausystems), schreiben wir auf Anfrage ein Begründungsschreiben mit medizinischer Diagnose-Erläuterung. Für reine Selbstzahler-Behandlungen mit Zusatzversicherung ist das in der Regel nicht nötig.

  3. Bei der Versicherung einreichen. Bei Krankenkasse und Zusatzversicherung getrennt einreichen. Die Bearbeitungszeit beträgt zwei bis sechs Wochen.

  4. Schriftliche Antwort abwarten. Sie erhalten eine Kostenzusage oder Ablehnung. Bei Zusage ist die Erstattungsquote und der maximal erstattete Betrag genannt.

  5. Behandlung beginnen. Erst nach schriftlicher Zusage oder bewusster Selbstzahler-Entscheidung. Resident wartet die Antwort der Versicherung ab, sofern Sie das wünschen.

Mehr Hintergrund zur Versicherungslogik im Artikel zur Krankenkasse beim Zahnarzt.

Wie Sie einen Kostenvoranschlag lesen

Die SSO-Tarifnummern wirken auf den ersten Blick kryptisch. Sie folgen einer einheitlichen Logik:

  • Vier-Ziffern-Nummern wie 4060, 4910, 4061
  • Bezeichnung der Leistung in Klartext daneben
  • Anzahl Taxpunkte pro Position
  • Multiplikator (Anzahl) wenn mehrfach abgerechnet, z.B. drei Wurzelkanäle bei einem Backenzahn
  • Zwischentotal pro Position

Wenn Sie einzelne Positionen nicht verstehen, fragen Sie. Resident-Mitarbeitende erklären den KVA gerne im Detail. Eine grobe Faustregel: Diagnostik und Beratung sind moderat. Chirurgische Eingriffe und Implantatmaterialien machen den grössten Teil grösserer Rechnungen aus.

Was passiert, wenn der Kostenvoranschlag überschritten wird

In der Regel gilt: Der KVA ist verbindlich, sofern keine medizinisch unvorhersehbaren Komplikationen auftreten. Wenn während der Behandlung zusätzliche Massnahmen nötig werden (z.B. Knochenaufbau, der vorher nicht eingeplant war), informieren wir Sie vor der Erweiterung. Sie entscheiden, ob die zusätzliche Massnahme gemacht wird.

Bei wesentlicher Überschreitung erhalten Sie einen Nachtrags-KVA, den Sie bei der Versicherung nachreichen können. Die Versicherung prüft die Zusatzleistung getrennt.

Eine kleine Abweichung im Bereich von wenigen Prozent ist üblich, etwa weil der Materialverbrauch leicht über der Schätzung lag. Eine wesentliche Überschreitung wird transparent kommuniziert.

Wie Resident Kostenvoranschläge erstellt

Wir erstellen den KVA nach der Diagnostik, also nach Befund, Röntgen und gegebenenfalls DVT-Aufnahme oder intraoralem Scan. Vorher wäre der KVA spekulativ.

Sie erhalten den KVA digital per E-Mail oder bei Wunsch per Post. Im Erstgespräch oder einem Folgetermin gehen wir den KVA gemeinsam durch und erklären jede Position. Wenn Sie zwei Behandlungs-Optionen vergleichen wollen (z.B. Implantat versus Brücke), erstellen wir auf Wunsch zwei KVAs zur Gegenüberstellung. Mehr dazu im Artikel Implantat oder Brücke.

Bei finanziellen Fragen oder Wunsch nach Ratenzahlung sprechen wir die Optionen offen an. Wir verfolgen keine Behandlungsempfehlung, die Sie sich nicht leisten wollen oder können. Bei kleineren Budgets gibt es häufig Alternativ-Lösungen, die wir gemeinsam besprechen.

Den Kostenvoranschlag als Entscheidungsgrundlage nutzen

Der KVA ist nicht nur ein Versicherungs-Dokument, sondern eine Entscheidungsgrundlage. Mit dem KVA in der Hand können Sie:

  • Die Behandlung nochmals in Ruhe überlegen
  • Eine Zweitmeinung einholen, wenn Sie unsicher sind
  • Bei der Versicherung die Erstattungsquote prüfen
  • Eigenanteil und Versicherungsanteil sauber trennen
  • Den KVA mit anderen Praxen vergleichen, wenn Sie eine Preis-Referenz wollen

Resident hat keine Einwände gegen Zweitmeinungen oder Preisvergleiche. Wir möchten, dass Sie eine Behandlung nicht aus Druck, sondern aus informierter Überzeugung beginnen. Termin für ein Erstgespräch vereinbaren Sie online über das Buchungs-Widget Ihres Standorts oder telefonisch.

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Wann erhalte ich einen schriftlichen Kostenvoranschlag?

Bei grösseren Behandlungen wie Implantaten, mehrteiliger Prothetik, Kieferorthopädie oder Wurzelbehandlungen. Bei Resident ist der KVA ab etwa 500 bis 1000 Franken Gesamtkosten Standard. Bei kleineren Behandlungen wie einer einzelnen Füllung oder einer Dentalhygiene-Sitzung erhalten Sie den Beleg in der Regel direkt nach der Behandlung.

Was steht in einem Kostenvoranschlag drin?

Die Diagnose, jede geplante Leistung mit ihrer Position aus dem SSO-Tarif und der Anzahl Taxpunkte, der Taxpunktwert, separat ausgewiesene Material- und Laborkosten sowie gegebenenfalls eine Sedierung. Am Ende steht das kalkulierte Total, bei mehreren Sitzungen zusätzlich die Beträge pro Phase.

Ist der Kostenvoranschlag verbindlich?

In der Regel ja, sofern keine medizinisch unvorhersehbaren Komplikationen auftreten. Werden während der Behandlung zusätzliche Massnahmen nötig, etwa ein vorher nicht eingeplanter Knochenaufbau, informieren wir Sie vorher und Sie entscheiden. Bei wesentlicher Überschreitung erhalten Sie einen Nachtrags-KVA, den Sie bei der Versicherung nachreichen können.

Wie reiche ich den Kostenvoranschlag bei der Krankenkasse ein?

Sie reichen den KVA bei Krankenkasse und Zusatzversicherung getrennt ein und behalten das Original. Fällt die Behandlung möglicherweise unter eine KVG-Kategorie, schreiben wir auf Anfrage ein Begründungsschreiben mit Diagnose-Erläuterung. Die Bearbeitungszeit beträgt zwei bis sechs Wochen, danach erhalten Sie eine schriftliche Kostenzusage oder Ablehnung.

Kann ich mit dem Kostenvoranschlag eine Zweitmeinung einholen oder Preise vergleichen?

Ja. Der KVA ist nicht nur ein Versicherungs-Dokument, sondern eine Entscheidungsgrundlage. Sie können die Behandlung in Ruhe überlegen, eine Zweitmeinung einholen oder den KVA mit anderen Praxen vergleichen. Wir haben keine Einwände gegen Zweitmeinungen oder Preisvergleiche.

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