Ratgeber · Oralchirurgie

Wurzelspitzenresektion. Wann sie den Zahn rettet.

Bleibt an der Wurzelspitze trotz Wurzelbehandlung eine Entzündung, kann ein kleiner chirurgischer Eingriff den Zahn erhalten. Wir erklären, wann eine Wurzelspitzenresektion sinnvoll ist, wie sie abläuft und wie hoch die Erfolgsaussichten sind.

Das Wichtigste

Eine Wurzelspitzenresektion ist ein kleiner chirurgischer Eingriff, bei dem wir die entzündete Wurzelspitze entfernen und den Wurzelkanal von unten dicht verschliessen. Sie kommt zum Einsatz, wenn eine Entzündung an der Wurzelspitze trotz Wurzelbehandlung bestehen bleibt und eine erneute Behandlung über den Zahn nicht möglich oder bereits gescheitert ist. Mit moderner Mikrochirurgie ist sie ein zuverlässiger Weg, den eigenen Zahn zu erhalten, statt ihn zu ziehen.

Verfasst von Dr. Markus Franke 31. Mai 2026 8 Min Lesezeit

Was eine Wurzelspitzenresektion ist

Die Wurzelspitzenresektion ist ein kleiner chirurgischer Eingriff, mit dem ein Zahn erhalten wird, an dessen Wurzelspitze eine Entzündung bestehen bleibt. Statt von oben durch die Zahnkrone wie bei der Wurzelbehandlung arbeiten wir dabei von aussen über das Zahnfleisch direkt an die Wurzelspitze heran. Dort entfernen wir den entzündeten Knochen und das untere Ende der Wurzel und verschliessen den Wurzelkanal von unten dicht.

Der Eingriff besteht im Kern aus zwei Schritten. Erstens dem Abtrennen der entzündeten Wurzelspitze, daher der Name Resektion. Zweitens dem retrograden Verschluss, also einer kleinen Füllung von unten, die den Kanal abdichtet, damit keine Bakterien mehr aus dem Wurzelinneren in den Knochen gelangen. Für diese Füllung verwenden wir ein biokompatibles Material wie MTA, das gut mit dem umliegenden Gewebe verträglich ist und den Kanal zuverlässig versiegelt.

Wann eine Wurzelspitzenresektion nötig ist

Eine Wurzelbehandlung ist sehr erfolgreich, heilt aber nicht in jedem Fall vollständig aus. Bleibt an der Wurzelspitze eine Entzündung bestehen oder kehrt sie zurück, kommt die Resektion ins Spiel. Typische Gründe sind:

  • Anhaltende Entzündung an der Wurzelspitze trotz fachgerechter Wurzelbehandlung, oft als chronischer Herd, der im Röntgenbild sichtbar wird.
  • Eine erneute Wurzelbehandlung über den Zahn ist nicht möglich oder bereits gescheitert. Manchmal lässt sich der Kanal von oben nicht erneut sauber aufbereiten.
  • Anatomische Hindernisse wie stark gekrümmte Kanäle, abgebrochene Instrumente oder verkalkte Abschnitte, die den Zugang von oben versperren.
  • Ein Stift oder eine Krone, die nicht entfernt werden sollten, weil das Entfernen den Zahn schwächen oder eine teure, gut sitzende Versorgung zerstören würde.

In diesen Situationen ist der Weg von aussen oft schonender für den Zahn als ein erneutes Aufbohren von oben. Ob der Eingriff für Sie angezeigt ist, klären wir immer anhand von Befund und Röntgen- oder 3D-Bild, nicht aus Prinzip.

Wie sie sich von anderen Wegen unterscheidet

Bei einem entzündeten Zahn gibt es drei grundsätzliche Wege. Wir folgen dabei einer klaren Reihenfolge: den Zahn erhalten, solange das sinnvoll ist.

  • Wurzelbehandlungs-Revision. Der erste Versuch ist meist, die bestehende Wurzelbehandlung über die Zahnkrone zu erneuern. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag zur Wurzelbehandlung. Ist dieser Weg verbaut oder bereits gescheitert, folgt die Wurzelspitzenresektion.
  • Wurzelspitzenresektion. Der chirurgische Zugang von aussen, wenn die Behandlung von oben nicht zum Ziel führt. Der Zahn bleibt erhalten.
  • Ziehen plus Ersatz. Erst wenn der Zahn nicht mehr erhaltungswürdig ist, etwa bei einem Längsbruch der Wurzel, wird er gezogen und durch ein Implantat oder eine Brücke ersetzt. Wie diese Abwägung verläuft, beschreiben wir im Vergleich Wurzelbehandlung oder Extraktion.

Die Resektion steht also genau zwischen dem Erhalt von oben und dem Ziehen. Sie ist der Versuch, den eigenen Zahn doch noch zu retten, bevor über einen Ersatz nachgedacht wird.

Der Eingriff Schritt für Schritt

Der Ablauf ist eingespielt und in der Regel in einer Sitzung erledigt:

  1. Lokale Anästhesie. Der Bereich um den Zahn wird betäubt, sodass Sie während des Eingriffs keinen Schmerz spüren.
  2. Kleiner Zugang. Wir lösen das Zahnfleisch über der Wurzelspitze vorsichtig als kleinen Lappen ab und legen den darunterliegenden Knochen frei.
  3. Zugang zur Wurzelspitze. Über eine kleine Öffnung im Knochen erreichen wir die entzündete Wurzelspitze und das umgebende Gewebe.
  4. Entfernen. Die Spitze der Wurzel und das entzündete Gewebe werden entfernt. Unter dem Operationsmikroskop lässt sich der Kanal dabei genau beurteilen.
  5. Retrograde Füllung. Der Kanal wird von unten mit einem biokompatiblen Material wie MTA dicht verschlossen, damit keine Bakterien mehr austreten.
  6. Naht. Der Lappen wird zurückgelegt und mit feinen Nähten fixiert. Diese werden nach rund sieben Tagen entfernt.

Der Einsatz von Vergrösserung und feinen Instrumenten ist der Grund, warum man heute von mikrochirurgischer Wurzelspitzenresektion spricht. Als Eingriff der Oralchirurgie gehört er in geübte Hände. Auf Wunsch oder bei ausgeprägter Angst führen wir den Eingriff über unsere eigene Anästhesie-Abteilung in Sedierung oder Vollnarkose durch.

Erfolgsaussichten

Die Erfolgsaussichten sind mit der modernen Technik deutlich gestiegen. Früher arbeitete man ohne Vergrösserung und mit gröberen Füllmaterialien. Heute erlauben das Operationsmikroskop und ein biokompatibler retrograder Verschluss eine viel präzisere Arbeit. Aktuelle Untersuchungen berichten von Heilungsraten im Bereich von rund neun von zehn Fällen. Das konkrete Ergebnis hängt vom Zahn, der Ursache der Entzündung und Ihrer allgemeinen Mundgesundheit ab. Wir besprechen die Aussichten für Ihren Fall vor dem Eingriff offen mit Ihnen.

Heilung und Nachsorge

In den ersten Tagen sind eine Schwellung und ein leichter Wundschmerz normal. Die Schwellung erreicht meist nach zwei bis drei Tagen ihren Höhepunkt und lässt sich durch Kühlen gut beherrschen. Schonen Sie die Stelle, kauen Sie auf der anderen Seite und halten Sie den Bereich beim Putzen vorsichtig sauber. Die Nähte entfernen wir nach rund sieben Tagen. Die meisten Menschen fühlen sich nach etwa einer Woche wieder weitgehend normal. Die knöcherne Ausheilung an der Wurzelspitze dauert mehrere Monate und wird bei einer Kontrolle mit einem Röntgenbild überprüft.

Risiken

Die Wurzelspitzenresektion ist ein etablierter, gut planbarer Eingriff. Wie bei jeder Operation gibt es Risiken, die im Vorgespräch zur Sprache kommen. Dazu gehören eine vorübergehende Schwellung oder ein Bluterguss, in seltenen Fällen eine Nachblutung oder eine Infektion der Wunde. Je nach Lage des Zahns kann die Nähe zu Nachbarstrukturen wie einem Nerv oder der Kieferhöhle eine Rolle spielen. Genau deshalb planen wir den Eingriff anhand eines Röntgen- oder 3D-Bildes und klären die Lage vorher ab.

Wann Sie zu uns kommen sollten

Wenn ein wurzelbehandelter Zahn weiterhin Beschwerden macht, auf Druck schmerzt, sich eine Schwellung am Zahnfleisch zeigt oder im Röntgenbild eine Entzündung an der Wurzelspitze auffällt, lohnt sich eine Abklärung. Oft lässt sich der Zahn mit einer Wurzelspitzenresektion erhalten. Vereinbaren Sie einen Termin, wir beurteilen den Befund und besprechen mit Ihnen den passenden Weg. Die Kosten richten sich nach dem SSO-Tarif. Vor dem Eingriff erhalten Sie von uns einen schriftlichen Kostenvoranschlag, damit Sie wissen, was auf Sie zukommt.

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Tut eine Wurzelspitzenresektion weh?

Während des Eingriffs spüren Sie dank der lokalen Anästhesie keinen Schmerz, nur Druck und Bewegung. Nach dem Abklingen der Betäubung ist in den ersten Tagen ein Wundschmerz normal und mit den empfohlenen Schmerzmitteln gut beherrschbar. Wer sehr ängstlich ist, kann den Eingriff über unsere eigene Anästhesie-Abteilung in Sedierung oder Vollnarkose durchführen lassen.

Wie hoch ist die Erfolgsquote einer Wurzelspitzenresektion?

Mit moderner Mikrochirurgie, also unter dem Operationsmikroskop und mit einer retrograden Füllung aus einem biokompatiblen Material, liegt die Erfolgsquote heute deutlich höher als bei der älteren Technik ohne Vergrösserung. Aktuelle Untersuchungen berichten von Heilungsraten im Bereich von rund neun von zehn Fällen. Das tatsächliche Ergebnis hängt vom betroffenen Zahn, der Ursache und Ihrer Mundgesundheit ab.

Wurzelspitzenresektion oder Zahn ziehen, was ist besser?

In den meisten Fällen ist der Erhalt des eigenen Zahns die bessere Wahl, weil kein natürlicher Zahn vollwertig ersetzt werden kann. Eine Wurzelspitzenresektion erlaubt es, den Zahn samt Krone oder Stift zu behalten. Erst wenn der Zahn nicht mehr erhaltungswürdig ist, etwa bei einem Längsbruch der Wurzel, besprechen wir das Ziehen und einen anschliessenden Ersatz wie ein Implantat.

Wie lange dauert die Heilung nach dem Eingriff?

Die stärkste Schwellung erreicht meist nach zwei bis drei Tagen ihren Höhepunkt und klingt danach ab. Die Nähte werden in der Regel nach rund sieben Tagen entfernt, und die meisten Menschen fühlen sich nach etwa einer Woche wieder weitgehend normal. Die knöcherne Ausheilung an der Wurzelspitze dauert mehrere Monate, beeinträchtigt den Alltag aber kaum.

Ist der Zahn nach einer Wurzelspitzenresektion noch stabil?

Ja. Bei dem Eingriff wird nur die kurze Spitze der Wurzel entfernt, der grösste Teil der Wurzel und die Verankerung im Knochen bleiben erhalten. Der Zahn ist danach in der Regel weiterhin voll belastbar. Bei der Kontrolle prüfen wir, ob der Knochen an der Wurzelspitze sauber ausgeheilt ist.

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